Nachdem der Webstuhl im 16. Jahrhundert auf der Insel eingeführt worden war, wurden die Stoffe vorwiegend zur Bekleidung verwendet, wobei Leinen und Seide für die feinsten Kleidungsstücke zu besonderen Anlässen und Wolle für den Schutz vor Kälte und Witterungseinflüssen getragen wurden.

Die Stickerei nimmt einen bedeutenden Bereich des Kunsthandwerks auf La Palma ein. Sie ist vor allem auf Trachtenanzüge, Tischdecken, Kirchenschmuck, Hausdekor und andere Textilien zu finden und zeugt von einer einzigartigen Tradition, die allmählich zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden ist, die kreativen Entwicklungen und Verfeinerungen handwerklicher Art einen enormen Vorschub leistete.
Richelieu: traditionell in Weiß oder Beige gefertigt, zeichnet sich diese Technik durch ihre Schlaufen oder Girlanden aus, die durch eine weitere Luftschlaufe miteinander verbunden sind, was dem Stoff eine unverwechselbare Eleganz verleiht.

Mit der Eingliederung der Insel La Palma in die Krone von Kastilien, Ende des 15. Jahrhunderts, kam die Seidenverarbeitung aus Portugal und Andalusien auf die Insel. Und wer sich das Handwerk der Seidenherstellung und Verarbeitung heute, nach mehr als fünf Jahrhunderten, ansieht, begibt sich auf eine Zeitreise und erlebt einen Herstellungsprozess, der immer noch vollständig manuell durchgeführt wird und daher heute in Europa einzigartig ist.
Heutzutage wird dieses Kunsthandwerk immer noch auf die gleiche Art und Weise in der Seidenwerkstatt der Seidenspinnerinnen in der Gemeinde El Paso ausgeübt, wo sich die traditionelle Herstellung von Seide und deren Verarbeitung bis heute erhalten hat.
Dabei wird die Seide wie vor Jahrhunderten mithilfe eines alten und einfachen Verfahrens gesponnen: Die Seidenkokons werden zunächst in einem auf offenem Feuer stehenden Kupferkessel erhitzt und die einzelnen aus den Kokons gelösten Fäden anschliessend auf einem traditionellen Seidenwebstuhl aufgezogen und durch Drehen auf eine Spindel zu einem Seidenstrang verwoben.

Das intensive Blau des Leinens überflutete im Mai die Gärten der Bewohner auf La Palma. Der Anblick seiner blau-grünen Rechtecke war und ist von überwältigender Schönheit. Wie sonst auch wird auf dieser Insel auch diesmal Zweckmäßigkeit ganz selbstverständlich mit feinstem ästhetischen Empfinden kombiniert. Denn es war schön und es war alltäglich.

Heutzutage stellt kaum noch jemand Wolle her auf La Palma. Auch gibt es nicht viele Schafherden auf der Insel, ausser in den Gemeinden El Paso und Garafía. Kleidung aus Wolle war jedoch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Teil des täglichen Lebens. So war es damals gerade im ländlicheren Bereich üblich, sich ein paar Schafe zu halten. Auf diese Weise hatte man immer natürlichen Dünger für die Felder, Milch zur Käseherstellung sowie eben Wolle zum Weben von Anzügen, Decken, Röcken, Strümpfen oder Mützen.
Der Prozess der Umwandlung der Wolle zum fertigen Produkt wurde komplett zu Hause durchgeführt. Die Schafe wurden geschoren, die Wolle wurde mit Seife gewaschen und dann auf einer Steinmauer zum Trocknen in die Sonne gelegt. Meist waren es die Großmütter, die sie dann auskämmten und aufwickelten. Dazu legten sie eine Wollflocke in ein Spinnrad aus Rohr oder Holz, das an einem Ende aufgespalten war. Von dort wurde es zur Spindel geführt, mit der es gesponnen wurde. Dann machten sie Stränge und zogen sie wieder auf, so dass die Wolle bereit war, am Webstuhl verarbeitet zu werden, entweder in ihrer ursprünglichen Farbe oder mit natürlichen Farbstoffen gefärbt.

Das Häkeln gilt als ein besonders einfaches und angenehmes Kunsthandwerk, denn es bietet in seinen verschiedenen Techniken schnelle Ergebnisse.
So wird Häkeln überall auf der Insel praktiziert, obwohl die überwiegende Mehrheit der Frauen, die es praktizieren, es für den Eigenbedarf tun, ohne es zu verkaufen. In einigen Gegenden auf La Palma werden noch immer alte traditionelle Muster in Bettgarnituren, Altartüchern, Vorhängen, Tagesdecken und Spitzen verarbeitet, in die teilweise durch den Einfluss neuerer Mustervorlagen und Techniken neue Qualitäten eingearbeitet werden.

In den Häusern der Bewohner auf La Palma wurde kein einziger Fetzen weggeworfen, egal wie abgenutzt er war. Sie wurden in feine Streifen geschnitten und zur weiteren Verarbeitung verwendet, um etwa Putzlappen herzustellen, die heute natürlich auch aus neuen Stoffen hergestellt werden.

Die Arbeit mit dem Schiffchen, auch Frivolité genannt, ist eine Fortsetzung des Häkelns. Es setzt sich aus Knoten und Gondeln zusammen, die Ringe, Kreise oder Halbkreise bilden. Die Anordnung dieser Formen ergibt die verschiedenen Arten und Muster. Der Name ist französischen Ursprungs und wurde in fast allen europäischen Ländern übernommen. Sie wird auf einer harten Unterlage oder direkt auf der Hand mit einem Schiffchen aus Knochen oder Holz ausgeführt, das aus zwei Lamellen in Form einer länglichen Olive besteht, die in der Mitte verbunden sind und deren Enden spitz zulaufen.

Der Begriff Makramee wird für bestimmte Arbeiten verwendet, die mit Hilfe von Knoten und dem Flechten von Fäden hergestellt werden. Makramee ist eins der interessantesten und vielseitigsten Kunsthandwerke, da es zur Dekoration der unterschiedlichsten Gegenstände eingesetzt werden kann. Die hohe Festigkeit des Produktes trägt auch heute noch zu einer weiten Verbreitung bei. Alles, was für seine Ausführung benötigt wird, ist ein Faden und ein einfaches kleines Kissen.

Der Reichtum an Trachten auf La Palma ist vor allem durch die Vielfalt der Mikroklimata gegeben, die durch die einzigartige Beschaffenheit der Insel herrschen. Die Anpassung der Kostüme an das Klima und an die tägliche Tätigkeit sowie die Verwendung der vorhandenen Materialien haben bis vor nicht allzu langer Zeit die Kleidung der Bewohner auf La Palma geprägt.
Im Großen und Ganzen kann die traditionelle Kleidung auf La Palma in drei verschiedene Stile eingeteilt werden: die Gala-Kleidung, die Arbeitstracht sowie Umhänge und Röcke aller Art.
Der Arbeitsanzug, der den ländlichen Gemeinden vorbehalten war, wurde in der Regel aus Stoffen hergestellt, die auf eigenen Webstühlen gefertigt und mit lokalen Fasern entsprechend verarbeitet wurden. Zu den verwendeten Materialien gehörten Wolle für den ersten Unterrock sowie Leinen für die Hemden, weitere Unterröcke und Unterwäsche. Charakteristisch für den Arbeitsanzug sind die ausgeprägten und seitlichen Raffungen des Rocks. Die seidenen Mieder oder Leibchen der Galakleider werden hier durch grobe Stoffe ersetzt, die aus denselben rustikalen Webstühlen stammen.
Der Anzug mit Umhang und Rock besteht aus zwei ersten Umhängen, während der dritte oft weiß, gleich- oder andersfarbig ist, ähnlich dem der bei den Galakleidern verwendet wird. Einer davon wird auf den Schultern oder auf dem Kopf platziert und bildet eine Haube im Mudejar-Stil, die in einigen Fällen durch einen niedrigen kegelförmigen Hut ergänzt wird. Der Anzug mit Umhang und Rock ist ein einzigartiges Kleidungsstück auf den Kanarischen Inseln.
Seide, Wolle, Leinen, Leder; Hut, Schuhe, Knöpfe; Stickerei, Knäuel und natürliche Farbstoffe… bilden den Beitrag des Kunsthandwerks auf La Palma zur Herstellung der traditionellen Kostüme der Insel.

Die Herstellung einer dieser Ergänzungen der traditionellen Männertracht ist die Gamasche. Es ist eine Art Socke, welche das Bein unterhalb des Knies bis zum Spann bedeckt. Die traditionellen Gamaschen werden aus Wollgarn hergestellt und mit fünf Stricknadeln gestrickt, so dass das Stück ganz ohne Nähte auskommt.